Wie wird der Warenbestand bei einer Inhouse-Otoplastik-Werkstatt behandelt?
Was sich durch eine Inhouse-Werkstatt ändert
Wer Otoplastiken bisher extern fertigen ließ, hatte bilanziell nur fertige Produkte im Bestand. Mit einer eigenen Werkstatt entstehen drei neue Bestandskategorien:
- Rohstoffe: Silikon, Abdruckmassen, Härtungskomponenten, Farbstoffe
- Halbfertigwaren: Rohlinge, die sich noch in der Fertigung befinden
- Fertigwaren: abgeschlossene Otoplastiken, die noch nicht an Kunden übergeben wurden
Alle drei Kategorien sind separat zu erfassen, zu bewerten und in der Inventur aufzuführen.
Bewertung der Rohstoffe
Rohmaterialien werden mit den Anschaffungskosten bewertet. Dabei gelten dieselben Grundsätze wie bei Hörgeräten:
- Ansatz: Einkaufspreis zzgl. Nebenkosten, abzgl. Rabatte
- Niederstwertprinzip: Wenn Materialien ihren Wert verloren haben (z. B. durch Überlagerung oder Mindesthaltbarkeitsprobleme), ist auf den niedrigeren Wert abzuschreiben
- Überlagerte oder abgelaufene Materialien sind vollständig auszubuchen
Bewertung der Halbfertigwaren
Halbfertigwaren werden mit den bisher angefallenen Herstellungskosten bewertet. Das umfasst:
- Materialkosten (anteilig verbrauchte Rohstoffe)
- Fertigungskosten (anteilige Personalkosten für die Werkstattzeit)
- Nicht einzurechnen: allgemeine Verwaltungskosten oder Vertriebskosten
Die Bewertung von Halbfertigwaren ist aufwändiger als die Bewertung fertiger Geräte, weil der Fertigungsfortschritt geschätzt werden muss. Für kleinere Werkstätten empfiehlt sich eine vereinfachte Methode: Materialkosten plus pauschalem Zuschlag für Fertigungskosten.
Bewertung der Fertigwaren
Fertige Otoplastiken, die noch nicht an Kunden übergeben wurden, werden ebenfalls zu Herstellungskosten bewertet – also Materialeinsatz plus zurechenbare Fertigungskosten. Wurden sie individuell für bestimmte Kunden gefertigt, sollte vermerkt sein, ob die Lieferung noch aussteht oder ob eine Rücknahme wahrscheinlich ist.
Die Werkstattausrüstung: Anlagevermögen
Die Ausrüstung der Werkstatt – 3D-Drucker, Fräsmaschinen, Messgeräte, Zubehör – wird als Anlagevermögen aktiviert und abgeschrieben.
Typische Abschreibungsdauern:
- 3D-Drucker und Fräsmaschinen: 5–8 Jahre
- Messgeräte und Kalibriersysteme: 3–5 Jahre
- IT-Systeme und Software: 3 Jahre
Tipp: Der Investitionsabzugsbetrag (IAB) kann bereits vor der Anschaffung genutzt werden, um die Steuerlast im Investitionsjahr zu senken. Bei einer geplanten Investition von 60.000 Euro können bis zu 50 Prozent – also 30.000 Euro – vorab als Betriebsausgabe abgezogen werden.
Auswirkung auf den Gewinn
Eine Inhouse-Werkstatt beeinflusst den Gewinn auf mehreren Ebenen:
- Aktivierung der Werkstattausrüstung erhöht das Anlagevermögen
- Laufende Abschreibungen mindern den Gewinn jährlich
- Materialbestände erhöhen das Umlaufvermögen
- Höhere Marge durch Eigenproduktion verbessert den Rohgewinn
- Anlaufkosten können in den ersten Monaten das Ergebnis belasten
Inventur bei Inhouse-Werkstatt
Die Inventur muss nun drei Ebenen umfassen:
- Rohstoffe: vollständige körperliche Zählung und Mengenbewertung
- Halbfertigwaren: Zählung der Rohlinge und Schätzung des Fertigungsgrads
- Fertigwaren: Zählung der fertigen, noch nicht übergebenen Otoplastiken
Die Werkstattausrüstung erscheint im Anlagenverzeichnis, nicht in der Inventurliste des Umlaufvermögens.
Fazit
Eine Inhouse-Otoplastik-Werkstatt ist bilanziell anspruchsvoller als ein reiner Hörgeräteverkauf. Rohstoffe, Halbfertig- und Fertigwaren müssen separat erfasst und bewertet werden. Die Werkstattausrüstung wird abgeschrieben. Wer diese Strukturen von Anfang an korrekt aufbaut, hat eine saubere Grundlage für Jahresabschluss, Steuerplanung und Betriebsprüfung.
Häufige Folgefragen
- Wie werden Hörgeräte im Lager bewertet?
- Wie funktioniert eine körperliche Inventur?
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Dieser Beitrag wurde mit größter Sorgfalt erstellt und zuletzt am 19. Juni 2026 fachlich geprüft. Er dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle steuerliche Beratung im Einzelfall.